Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen

Ein motivierter Manager fängt bei einer mittelständischen Firma seine Tätigkeit an. Dies passiert in Deutschland täglich zigmal. Nicht besonderes. Es ist auch nichts Besonderes, wenn dieser (oder diese) motivierte Manager nach einer gewissen Zeit im Führungskreis fragt: „Wo wollen wir eigentlich hin? Was ist unsere Vision?“ Es kann passieren, dass er (oder sie) in Deutschland die Antwort erhält: „Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt“.

Dieses bekannte Zitat von Helmut Schmidt wird häufig in deutschen Unternehmen verwendet. Es mag in der Politik, in der man häufig von der Realität „eingeholt“, von vielen verschiedensten Interessengruppen „zurechtgestutzt“ wird, seine Berechtigung haben. Und aus dem Munde des Pragmatikers Helmut Schmidt verwundert es nicht. Aber hat es auch im Unternehmen seine Berechtigung?

Ein Unternehmen lebt von der Motivation seiner Mitarbeiter. Diese (hoffentlich) vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreicht man als Unternehmensleitung nicht in einer täglichen, direkten Kommunikation. Man benötigt Unternehmenswerte, eine Unternehmenskultur, die eine stabile „unausgesprochene“ Basis für das tägliche Zusammenarbeiten und die Interaktion mit externen Kunden und Partnern bietet.  Hierzu gehört auch die Vision für das Unternehmen.

Amerikanische Firmen versprechen: „Wir wollen die Welt besser machen mit unseren Lösungen“. Dies wird bei uns in Deutschland häufig als überheblich empfunden. Und wenn man diese Aussagen wörtlich nimmt, mag es wirklich nur für wenige amerikanische Firmen zutreffend sein. Aber sie haben verstanden, dass eine starke Vision ungeahnte Kräfte freisetzen kann. Nicht umsonst lässt Dr. Frederik Pferdt, Google’s Chief Innovation Evangelist, in seinen Vorträgen die Zuhörer Papierflieger falten und durch den Saal gleiten mit: Was wäre, wenn …?

Wir in Deutschland sollten viel häufiger von der täglichen Klein-Kleinarbeit mit kurzfristigen Aktionsplänen wegkommen und uns auf eine höhere Ebene begeben. Dies kostet Kraft und einen Durchsetzungswillen. Aber von dort kann man besser in die Zukunft schauen. Und wenn auch keiner die Zukunft in dieser schnelllebigen Zeit genau vorhersehen kann: Trends sind von dort aus erkennbar, Ziele formulierbar. Eine Vision gibt die Richtung vor und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind und bleiben motiviert dabei.